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Mütter und Väter, die ihre Kinder alleine großziehen, stehen auf dem Arbeitsmarkt oft vor besonderen Herausforderungen. Doch in Südthüringen gibt es gezielte Hilfe – zwei Projekte zeigen, wie der Wiedereinstieg ins Berufsleben gelingen kann.
Hürden für Alleinerziehende – trotz Fachkräftemangel
Alleinerziehend – für viele Betroffene ist das auf dem Arbeitsmarkt weniger ein Vorteil als ein Hindernis. Und das, obwohl Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen. Laut Angaben der Agentur für Arbeit Suhl waren Anfang des Jahres im Wartburgkreis 359 Alleinerziehende arbeitslos gemeldet – 27 mehr als im Vorjahr. 88 Prozent davon sind Frauen, fast die Hälfte verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Viele waren zuvor in Hilfstätigkeiten im Einzelhandel, der Hauswirtschaft oder der Reinigungsbranche tätig.
Der Zehnte Familienbericht des Bundesfamilienministeriums, erschienen im Januar 2025, bestätigt ein altbekanntes Problem: Alleinerziehende Mütter sind deutlich häufiger von Armut betroffen als Väter. Ein Bild, das sich auch in Südthüringen widerspiegelt, wie Heike Wittich und Petra Schübel berichten. Sie setzen sich als Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter Wartburgkreis und der Arbeitsagentur Suhl dafür ein, Alleinerziehende bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen – unter anderem in Kooperation mit Bildungsträgern in Eisenach und Bad Salzungen.
Ziola GmbH: Coaching mit Perspektive
In Eisenach arbeitet die Ziola GmbH seit Jahren mit Jobcenter und Arbeitsagentur zusammen, um Alleinerziehenden den Weg zurück ins Berufsleben zu ebnen. Anne Röthig, selbst alleinerziehende Mutter und Mitarbeiterin bei Ziola, hat gemeinsam mit ihrem Team das Projekt „CIA – Coaching und Integration Alleinerziehender“ im April neu aufgelegt.
„Der erste Schritt ist oft, die Scham zu überwinden, Hilfe anzunehmen“, erklärt Röthig. In Einzelcoachings und Kleingruppen werden persönliche Hürden identifiziert – etwa fehlende Kinderbetreuung oder fehlende Qualifikationen – und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dazu gehören die Vermittlung passender Bildungsangebote ebenso wie die Unterstützung bei der Suche nach einem Betreuungsplatz.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die praktische Erprobung in Unternehmen. Die Teilnehmerinnen – meist Frauen – absolvieren Praktika und können so ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Mit Erfolg: In einem früheren Projekt fanden acht von 25 Müttern sowie ein Vater eine feste Anstellung. Weitere fünf Frauen erhielten einen Nebenjob, zwei begannen eine Ausbildung.
Zurück nach Eisenach – ein Neuanfang für Ronny Pitzschel
Ein Beispiel für gelungene Unterstützung ist Ronny Pitzschel. Der 37-Jährige, geboren in Eisenach und aufgewachsen in Berlin, fand sich nach der Trennung plötzlich allein mit zwei kleinen Kindern wieder. Die Anforderungen als alleinerziehender Vater zwangen ihn, seinen Job bei einer Umzugsfirma aufzugeben. Er kehrte nach Eisenach zurück und fand Halt bei seiner Mutter – und Unterstützung vom Jobcenter.
Dort ermöglichte man ihm zunächst den Erwerb eines Gabelstaplerscheins. Derzeit nimmt er an einem vom Jobcenter geförderten Coaching teil, in dem bald Praktika anstehen. „Ich hoffe, dass sich daraus eine Beschäftigung ergibt, die zu meinem Familienalltag passt“, sagt er.
ABC in Bad Salzungen: Aktivieren, Betreuen, Coachen
Auch in Bad Salzungen werden Alleinerziehende gezielt unterstützt. Seit 2019 fördert das Jobcenter dort das Projekt „ABC – Aktivierung, Betreuung, Coaching“ beim Bildungs- und Schulungs-Institut gGmbH (BSI). Die Maßnahme ermöglicht einen individuellen Einstieg und führt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vier aufeinander aufbauenden Modulen Schritt für Schritt an den Arbeitsmarkt heran.
„Wichtig ist uns die Kombination aus berufspraktischer Erfahrung in Praktika und der Alltagsbewältigung im familiären Kontext“, erklärt Projektleiterin Christin Saady. Seit dem Start des Projekts nahmen 95 Personen daran teil, darunter sechs Männer. 22 konnten eine feste Beschäftigung aufnehmen, sechs weitere einen Nebenjob.
Neue Chancen – auch mit Rückschlägen
Einige Absolventinnen halten bis heute Kontakt zur BSI. So etwa Denise Kößler: Nach ihrer Teilnahme 2022 arbeitete sie zunächst im Einzelhandel und wechselte 2023 in ihre Wunschtätigkeit als Schulbegleiterin. Dort möchte sie möglichst bis zur Rente bleiben.
Schwieriger verlief der Weg für Isabel Horn. Die Mittdreißigerin startete 2021 hoch motiviert in das ABC-Projekt, doch Corona und später gesundheitliche Probleme warfen sie zurück. 2023 startete sie erneut – diesmal mit Erfolg. Aktuell bereitet sie sich am BSI auf eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement vor. Der Weg ist lang, aber sie sagt: „Jetzt habe ich endlich die Unterstützung, die ich brauche.“
Bericht von https://www.insuedthueringen.de/inhalt.arbeitsmarkt-alleinerziehend-mit-der-passenden-hilfe-klappt-s.0b205503-aa07-4dfa-9dfa-607e0108ec01.html
Geschrieben von: Elias
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